Epigenetik- Lebenslanger Stress beschleunigt biologische Alterung

Psychischer Stress, der sich im Laufe eines Lebens ansammelt, kann den Alterungsprozess beschleunigen. Der Grund sind epigenetische Veränderungen an Bindungsstellen des Rezeptors für das Stressmolekül Glukokortikoid.

Stress kann den Alterungsprozess beschleunigen. Grund hierfür sind möglicherweise epigenetische Veränderungen.  Kleine chemische Anhängsel wie beispielsweise Methyl-Gruppen bestimmen dabei, wie eng die DNA gepackt ist. Gene können dadurch leichter oder schwerer abgelesen werden. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Elisabeth Binder, Direktorin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, hat bei hochgradig traumatisierten Afroamerikanern untersucht, wie sich lebenslanger Stress auf die DNA-Methylierung des sogenannten Glukokortikoid-Rezeptors im Blut auswirkt.
 

„Glukokortikoide stellen wichtige Stressmoleküle dar. Sie binden an den Stresshormon-Rezeptor und können dann in praktisch jedem wichtigen Organ des Körpers ihre Wirkung entfalten. Der Rezeptor reguliert die Gen-Aktivität unter anderem dadurch, dass er Veränderungen in der DNA-Methylierung hervorruft. Dies kann eine lang anhaltende 'epigenetische Reprogrammierung' zur Folge haben“, erklärt Anthony Zannas, Erstautor der Studie. „Wir haben herausgefunden, dass diese durch Stress bedingte Reprogrammierung an den Stellen im Erbgut stattfindet, die auch mit Alterungsprozessen in Verbindung gebracht werden."

Die Untersuchungen der Studie zeigten, dass Personen, welche über eine weite Lebensspanne hinweg hohem Stress ausgesetzt waren, epigenetisch älter eingestuft wurden, als es von ihrem eigentlichen biologischen Alter zu erwarten wäre. Eine solche vorzeitige „biologische“ Alterung wird allgemein mit erhöhtem Risiko für altersbedingte Erkrankungen in Verbindung gesetzt. Zu viel Stress kann somit altersbedingte Erkrankungen fördern, indem epigenetische Änderungen durch die Aktivierung von Stress-Rezeptoren ausgelöst werden.

Die Messung des „epigenetischen Alters“ in Blutproben könnte einen Ansatzpunkt darstellen, chronisch gestresste Individuen mit hohem Risiko für kardiovaskuläre- oder Demenzkrankheiten zu identifizieren und entsprechend frühzeitig Präventionsprogramme einzuleiten.

 

 

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